Kolumne #3: Der Algorithmus der Mittelmäßigkeit – Warum Luxus heute eine Form von Widerstand ist


In meiner ersten Kolumne sprachen wir über das Silizium hinter der KI – die pure, kalte Rechenpower. Doch während die Technik immer intelligenter wird, scheint der digitale Zeitgeist eine gefährliche Kehrtwende in Richtung Trash-Kultur zu machen.

Wer heute soziale Medien öffnet, findet sich in einem bizarren Zerrspiegel der Realität wieder. Da wird in 15-sekündigen Clips versucht, jahrhundertealtes Handwerk zu denunzieren. Da werden High-End-Marken unterstellt, sie seien „auch nur Chinaware“, nur um im nächsten Atemzug eine Kopie auf Billig-Plattformen wie Temu zu bewerben. Es ist der Versuch, den Zauber des Luxus durch die stumpfe Waffe des „Copy-Paste-Konsums“ zu töten.

Die Entwertung der Emotionalität
Luxus ist kein Preisetikett. Luxus ist ein Indikator für Exzellenz. Es ist das Gefühl, wenn man eine Tasche öffnet und das Aroma von feinstem Leder auf die jahrzehntelange Ausbildung eines Täschners trifft. Es ist eine Traumwelt, ja – aber eine, die auf Qualität und echter Handwerkskunst basiert.

Doch der Algorithmus kennt keine Qualität. Er kennt nur die „Watchtime“. Und was hält die Menschen länger vor dem Bildschirm als das nächste Drama, die nächste bösartige Unterstellung oder der nächste „Haul“ aus Plastik und Chemie? Wir werden umerzogen. Der Algorithmus erzieht uns dazu, den Fokus auf das Kurzlebige, den Trash und das Laute zu legen, anstatt auf das Beständige und Wahre.

Mein persönlicher Algorithmus-Fegefeuer
Ich frage mich oft: Was habe ich digital verbrochen? Warum straft mich mein Feed mit Inhalten, die so weit weg von meinem Leben sind wie der T-800 von einer Empathie-Software? Wenn mir zwischen Berichten über technologische Innovationen plötzlich verstörende Reels von Selbstdarstellern angezeigt werden, die jede Schamgrenze verloren haben, wird mir klar: Wir befinden uns in einem Strudel der Desorientierung.

Diese chaotischen Zustände im Netz sind längst ein Spiegelbild unserer Wirtschaft geworden. Wenn die Masse den Blick für den Wert von Handarbeit verliert, weil sie nur noch auf „dupes“ (Kopien) konditioniert wird, verlieren wir mehr als nur Ästhetik. Wir verlieren den Respekt vor der Leistung.

Selektion ist der neue Kaviar
Der wahre Luxus im Jahr 2026 besteht darin, sich diesem Sog zu entziehen. Es ist die bewusste Entscheidung, nicht auf den Trash-Zug aufzuspringen. Es ist das Privileg, filtern zu können.

Lassen wir den Algorithmus ruhig versuchen, uns mit Billig-Kopien und digitalem Drama zu füttern. Wir wissen es besser. Wahre Exzellenz lässt sich nicht durch ein 10-Euro-Imitat ersetzen, und ein tiefgreifendes Gespräch ist mehr wert als eine Million Bot-Likes. Bleiben Sie anspruchsvoll – es ist die einzige Art, in dieser lauten Welt nicht den Verstand (oder den Geschmack) zu verlieren.

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