Der Glitch im System – Warum Britney gefährlicher ist als der T-800

Kolumne #2:
In meiner letzten Kolumne haben wir uns noch an der kühlen Präzision von KI-Silizium gewärmt. Wir sprachen über Prozessoren, die so logisch sind, dass sie fast schon langweilen. Mein Gehirn war im Hochleistungsmodus, bereit für die technologische Singularität. Und dann kam der Moment der Schwäche: Ich habe Instagram geöffnet.

Nach einer langen digitalen Entgiftung fühlte es sich an, als würde man nach einem Jahr im Kloster direkt in eine Las Vegas Show stolpern – und zwar in eine, bei der der Regisseur mittendrin das Weite gesucht hat. Ich landete im Feed von Britney Spears.

Das Ende der Logik
Man macht sich Sorgen um den Terminator, um den T-800, der die Welt mit eiskalter Effizienz übernimmt. Aber wisst ihr, was wirklich beängstigend ist? Etwas, das kein Algorithmus der Welt berechnen kann: Der Wohnzimmertanz der „Princess of Pop“.

Während das Silicon Valley Milliarden investiert, um menschenähnliche Intelligenz zu simulieren, liefert Britney uns das Original – völlig ungefiltert, in 240 Hertz und meistens in einem Outfit, das die Frage aufwirft, ob Stoffknappheit das neue Statussymbol der Reichen ist.

Sprachlosigkeit als Luxusgut
Ich bin ehrlich: Ich bin sprachlos. Und in einem Magazin, das sich der Exzellenz verschrieben hat, ist Sprachlosigkeit eigentlich ein Tabu. Aber hier sitze ich nun.

Warum schockiert mich ein wirbelnder Popstar mehr als die Aussicht auf eine Roboter-Apokalypse?

Die KI ist berechenbar. Sie folgt Mustern. Sie will optimieren.

Britney hingegen ist der ultimative „Glitch“ im System. Sie ist die pure, anarchische Menschlichkeit, die sich weigert, in irgendeine ästhetische oder logische Schublade zu passen.

Es ist fast schon eine Form von digitalem Dadaismus. Während wir versuchen, alles zu perfektionieren – unsere Gesichter mit Filtern, unsere Texte mit KI, unsere Karrieren mit LinkedIn-Phrasen –, wirbelt da jemand in einem Crop-Top durch ein Foyer und schert sich nicht im Geringsten um die „User Experience“.

Vielleicht ist das der wahre Luxus unserer Zeit: Die Freiheit, absolut keinen Sinn zu ergeben.

Wenn die KI irgendwann die Weltherrschaft übernimmt, wird sie an diesem Instagram-Profil scheitern. Sie wird versuchen, die Logik hinter den wirren Tanzschritten und den Messer-Choreografien zu analysieren – und ihr virtuelles Gehirn wird mit einem leisen Puff verpuffen.

Wir brauchen keine Angst vor dem T-800 zu haben. Solange die Menschheit noch in der Lage ist, uns mit einer solchen Hingabe ratlos zurückzulassen, sind wir unbesiegbar. Oder zumindest sehr, sehr unterhaltsam.

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