Die Verteidigung der Latenz: Eine Replik auf Claudia Klinger

Manchmal schreibt man einen Text und fragt sich: „Liest das eigentlich jemand?“

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass mein Text jetzt bei Claudia Klinger gelandet ist! Sie betreibt den Blog Digital Diary (schon seit 1997, also ein echtes Urgestein im Netz). In ihrem neuen Beitrag „7 Surftipps zur KI-Kultur“ empfiehlt sie meinen Text weiter.

Warum mich das freut??
Es ist eine Sache, wenn eine Suchmaschine einen Text findet. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn ein echter Mensch das liest, gut findet und sagt: „Hey Leute, schaut euch das mal an!


In der aktuellen Debatte um Künstliche Intelligenz geht es meist um Effizienz, Rechenpower und die Frage, was Maschinen uns abnehmen können. Dass die Publizistin Claudia Klinger in ihrem aktuellen „Digital Diary“ ausgerechnet eine Passage aus meinem Essay über die „Alchemisten des 21. Jahrhunderts“ zitiert hat, lenkt den Blick auf eine viel tiefer liegende Gefahr: Die schleichende Anpassung unseres Denkens an die Taktfrequenz der Maschinen.

Der Kern der Aussage: 200 Hz gegen Gigahertz
Das Zitat, das Claudia ausgewählt hat, beschreibt eine fundamentale Diskrepanz: Während das menschliche Gehirn biologisch auf einer Frequenz von etwa 200 Hz operiert, takten moderne Silizium-Chips im Gigahertz-Bereich.

Warum ist dieser technische Vergleich so wichtig? Weil er zeigt, dass wir uns in einem ungleichen Wettlauf befinden. Wenn wir versuchen, unser Bewusstsein mit der Geschwindigkeit digitaler Architekturen zu „synchronisieren“, gewinnen wir keine Zeit – wir verlieren unseren Reflexionsraum.

Was bedeutet „Deformierung des Geistes“?
Die Bedeutung meiner Aussage, die Claudia so treffend hervorgehoben hat, ist folgende:
Menschliche Intelligenz braucht die Latenz – jenen Moment des Innehaltens zwischen einem Impuls und einer Entscheidung. In dieser Pause entstehen Zweifel, Intuition und echte Kreativität. Wenn die KI uns jedoch Antworten in Echtzeit liefert, wird diese Pause wegrationalisiert. Wir reagieren nur noch, statt zu agieren. Wer sich dem Rhythmus der Maschine bedingungslos anpasst, optimiert sich nicht, sondern er verformt sein eigenes Denken hin zu einer rein funktionalen Logik.

Die Erwähnung in den „7 Surftipps zur KI-Kultur“ ist für mich mehr als eine freundliche Verlinkung. Sie ist eine Bestätigung dafür, dass wir in der KI-Entwicklung an einem Punkt stehen, an dem wir das Zögern (manchmal  chaotisch) und das Nachdenken als zutiefst menschliche Qualitäten verteidigen müssen.

Mein Dank gilt Claudia Klinger für den wertvollen Diskurs und dafür, dass sie den Fokus auf die Bewahrung unserer geistigen Integrität in einer beschleunigten Welt legt.☺️

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