CELETINO kaffee: Aroma im Mund, Duracell im Blut
Nun stehen hier also drei Sorten, eine Siebträgermaschine und meine ganz persönliche Vorstellung davon, wie ein Morgen zu beginnen hat. Die Schoko-Variante hat mich geschmacklich bereits auf ihre Seite gezogen, die Winter Edition bringt Zimt ins Spiel, und die Keks-Variante muss sich erst noch beweisen. Eine Rose gibt es schließlich nicht allein dafür, dass man gut duftet.
70 Prozent Robusta, dunkle Schokolade und ein Weckruf am Morgen

Eine Kaffeeexpertin verkostet die aromatisierten Bohnen von CELETINO – und stellt fest, dass zwischen kräftigem Charakter, feinen Gewürznoten und persönlichem Geschmack mehr liegt als ein hübscher Duft aus der Kaffeetüte.
Es gibt Kaffee, der sich angenehm in den Morgen einfügt. Und es gibt Kaffee, der ziemlich deutlich macht, dass der Tag jetzt gefälligst anfangen darf. CELETINO gehört für mich eher zur zweiten Kategorie. Das ist kein zurückhaltender Frühstückskaffee, der sich mit einer milden Säure und etwas Crema höflich vorstellt. Hier steht eine kräftige Bohnenkomposition im Mittelpunkt, deren Intensität auch dann nicht verschwindet, wenn Schokolade, Zimt oder Keks ins Aromaprofil kommen.
Ich habe die Kaffees zum Testen erhalten. Entscheidend ist für mich deshalb nicht, wie stimmig das Markenversprechen klingt, sondern was tatsächlich in der Tasse landet. Denn ein aromatisierter Kaffee muss mehr können, als beim Öffnen der Packung gut zu riechen. Das Aroma sollte mit dem Kaffee harmonieren, seinen Charakter ergänzen und darf ihn nicht unter einer künstlichen Duftwolke verschwinden lassen.
Die Bohne zuerst: 70 Prozent Robusta, 30 Prozent Arabica
Die Grundlage von CELETINO ist eine Mischung aus 70 Prozent Robusta und 30 Prozent Arabica. Als Herkunftsland der Bohnen wird Indonesien angegeben; ein konkretes Anbaugebiet ist nicht ausgewiesen. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Indonesien ist kein einheitliches Kaffeeprofil. Ohne Angaben zur Region, zur Varietät und zur Aufbereitung lässt sich nicht seriös behaupten, welche geschmacklichen Eigenschaften allein aus der Herkunft resultieren.
Die Zusammensetzung liefert dennoch einen ersten fachlichen Anhaltspunkt. Robusta ist für seinen kräftigen Körper, seine ausgeprägte Präsenz und in der Regel einen höheren Koffeingehalt als Arabica bekannt. Arabica kann zusätzliche aromatische Komplexität beisteuern. Wie sich beide Komponenten in einer konkreten Mischung verhalten, hängt allerdings nicht nur vom prozentualen Anteil ab, sondern ebenso von Rohkaffeequalität, Aufbereitung, Röstung und Extraktion.
Bei einem Verhältnis von 70 zu 30 ist jedenfalls keine besonders zurückhaltende Ausrichtung zu erwarten. Der hohe Robusta-Anteil passt zu dem Nachdruck, den ich beim Trinken wahrnehme. Gleichzeitig zeigt sich ein nussiger Grundton, der sich mit der Schokonote verbindet. Genau diese Basis ist für mich interessanter als die bloße Tatsache, dass eine Sorte nach Zimt oder Gebäck duften soll: Die Aromatik trifft auf einen Kaffee, der selbst bereits deutlich präsent ist.
Röstung und Aromaprofil: Was sich sagen lässt – und was nicht
CELETINO beschreibt seine Bohnen als an der Küste geröstet und stellt die Schokonote als Ergänzung zum Kaffee in den Mittelpunkt. Auf der Website ist von einem runden Körper, warmem Kakao und einem klaren Nachklang die Rede. Das ist zunächst die Beschreibung des Herstellers. Ob diese Balance in der Tasse tatsächlich funktioniert, muss die Verkostung zeigen.
Für eine vollständige technische Beurteilung fehlen öffentlich nachvollziehbare Angaben zum konkreten Röstgrad, zum Röstverfahren und zum Röstprofil. Auch eine detaillierte Beschreibung der Rohkaffeeaufbereitung ist nicht ausgewiesen. Damit lässt sich nicht fundiert beurteilen, wie weit die Bohnen entwickelt wurden, wie die Röstung Säure und Bitterkeit beeinflusst oder welche Anteile des Geschmacks auf die Bohne und welche auf die Aromatisierung zurückgehen.
Das ist kein nebensächliches Detail. Gerade bei einem kräftigen Robusta-dominierten Blend kann die Röstung entscheidend dafür sein, ob der Kaffee angenehm vollmundig wirkt oder ob Bitterkeit und Röstaromen zu dominant werden. Eine dunklere Röstung kann beispielsweise ausgeprägte Röstaromen begünstigen, aber nicht jede kräftige Tasse ist automatisch das Ergebnis einer dunklen Röstung. Dafür müsste man mehr über das konkrete Produkt wissen.
In meiner Verkostung steht eine nussige, schokoladige Grundcharakteristik im Vordergrund. Die aromatisierten Varianten setzen darauf unterschiedliche Akzente. Für mich funktioniert das dann am besten, wenn die zusätzliche Note nicht einfach über dem Kaffee liegt, sondern sich mit ihm verbindet.
Meine Zubereitung: Warum die Temperatur mitentscheidet

Ich bereite den Kaffee in meiner Ninja-Siebträgermaschine zu, mahle die Bohnen fein und trinke ihn mit Milch mit 3,5 Prozent Fett. Außerdem lasse ich ihn etwas abkühlen, bevor ich ihn verkoste. Ich möchte schließlich Kaffee schmecken und nicht bloß testen, wie lange meine Zunge Temperaturen aushält.
Die Trinktemperatur beeinflusst den sensorischen Eindruck. Ist ein Getränk sehr heiß, lassen sich einzelne Aromen häufig schwerer differenzieren. Beim Abkühlen verändert sich die Wahrnehmung; Nuancen können deutlicher hervortreten, während andere in den Hintergrund rücken. Das ist einer der Gründe, weshalb ich den Kaffee nicht direkt kochend heiß beurteile.
Auch die Milch verändert das Ergebnis. Ihr Fettgehalt und ihre cremige Textur können Bitterkeit milder erscheinen lassen und die Wahrnehmung von Körper und Schokolade unterstützen. Gleichzeitig kann Milch feine Nuancen überdecken. Meine Beschreibung bezieht sich deshalb bewusst auf diese Zubereitung – nicht auf eine allgemeingültige Geschmacksnote, die jede Person mit jeder Maschine und jeder Rezeptur genauso erleben muss.
Was mir dabei auffällt, ist die Verbindung von Nussigkeit und Schokolade. Der Kaffee bleibt kräftig, doch die aromatischen Komponenten geben ihm eine zusätzliche Dimension. Die Intensität wird nicht einfach ausgelöscht, sondern geschmacklich eingerahmt. Das ist ein Unterschied, den man bei der Beurteilung aromatisierter Kaffees nicht unterschätzen sollte.
Schokolade: Nicht süßlich, sondern dunkel
Die Schoko-Variante gehört für mich zu den überzeugendsten Proben. Sie ist brutal gut – und zwar nicht, weil sie den Eindruck eines süßen Schokoladengetränks erzeugt. Ich nehme vielmehr eine dunkle, herbe Schokoladenanmutung wahr, die mich an rohe, ungesüßte Zartbitterschokolade erinnert.
Dazu kommt die nussige Basis des Kaffees. Zusammen ergibt das einen kräftigen, warmen Eindruck, bei dem die Schokolade nicht einfach als süße Zugabe nebenherläuft. Sie fügt sich in den Charakter der Bohnen ein. Gerade mit Milch entsteht für mich eine runde Verbindung, ohne dass die Tasse ihren Nachdruck verliert.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer wahrgenommenen Schokoladennote und tatsächlicher Schokolade im Kaffee. Ein entsprechender Geschmack bedeutet nicht automatisch, dass Kakao oder Schokolade als Zutat enthalten sind. Für eine präzise Aussage über die Zusammensetzung ist die Zutaten- beziehungsweise Produktdeklaration maßgeblich. Sensorisch lässt sich dagegen sagen, wie die Note in der Tasse wirkt – und genau dort liegt für mich die Stärke dieser Variante.
Winter Edition: Der Zimt kommt nicht mit der Tür ins Haus
Die Winter Edition hat mich ebenfalls überzeugt. Der Zimt steht für mich nicht sofort laut im Vordergrund. Vielmehr entwickelt sich die feine Würze beim Trinken und bleibt im Mund als nachgelagerter Eindruck wahrnehmbar. Diese zeitliche Entwicklung ist sensorisch interessanter als ein Aroma, das bereits beim ersten Kontakt alles dominiert.
Zimt und Kaffee können sich gut ergänzen, wenn die Würze nicht zu dominant wird. In dieser Probe empfinde ich die Verbindung als stimmig: Die kräftige Basis bleibt erhalten, während sich die winterliche Note nach und nach entfaltet. Zusammen mit der dunklen Schokoladenanmutung entsteht ein Profil, das für mich sehr gut in die kühlere Jahreszeit passt.
Die Winter Edition würde ich deshalb tatsächlich wieder kaufen. Nicht, weil ein saisonaler Name automatisch Herbststimmung in die Tasse zaubert, sondern weil die Würze in meiner Zubereitung funktioniert und den Kaffee ergänzt, statt ihn geschmacklich zu überrollen.
Keks: Nicht jede gute Idee trifft jeden Geschmack
Die Keks-Variante war dagegen weniger mein Fall. Dabei muss man fair bleiben: Meine persönliche Abneigung gegen eine bestimmte Aromatik ist kein objektiver Qualitätsmangel. Eine feine, buttrig anmutende Gebäcknote kann für andere genau das sein, was sie an einem aromatisierten Kaffee mögen.
Für mich funktioniert die Verbindung mit der kräftigen Basis weniger überzeugend als Schokolade und Winter Edition. Das ist eine Frage der sensorischen Präferenz, nicht automatisch ein Urteil über die handwerkliche Qualität. Wer aromatisierte Kaffees testet, sollte genau diese Trennung vornehmen: Was ist tatsächlich in der Tasse zu erkennen, und wie bewerte ich persönlich das Zusammenspiel?
Ein seriöser Test muss nicht jede Sorte zum Favoriten erklären. Im Gegenteil: Erst wenn auch eine weniger überzeugende Probe benannt werden darf, bekommt ein positives Urteil über die anderen Sorten Gewicht.
Ein Kaffee für den Morgen – nicht für jede Kaffeepause
CELETINO ist für mich kein Kaffee, den ich gedankenlos über den ganzen Tag hinweg nebenbei trinken würde. Die Intensität macht ihn eher zu einem bewussten Morgenkaffee. Ich habe den Eindruck, dass ich davon weniger brauche, um zufrieden zu sein, als von einem milderen Kaffee. Das ist meine persönliche Erfahrung und keine allgemeingültige Aussage über den Verbrauch oder die Wirkung.
Der Vergleich mit einem Getränk, das man sich während der Arbeit immer wieder in kleinen Schlucken holt, passt deshalb nur bedingt. Diese Bohnen haben für mich mehr den Charakter eines kräftigen Starts in den Tag. Der Kaffee ist präsent, die Aromatik bleibt im Gedächtnis, und nach der Tasse fühle ich mich eher wie eine frisch aufgeladene Duracell als wie jemand, der noch einen sanften Anlauf benötigt.
Das ist natürlich keine Messung des Koffeingehalts. Der tatsächliche Koffeingehalt hängt unter anderem von der Bohnenmischung und der verwendeten Menge ab. Robusta enthält im Allgemeinen mehr Koffein als Arabica, aber wie viel davon in einer konkreten Portion landet, lässt sich aus der Mischung allein nicht exakt berechnen. Wer empfindlich auf Koffein reagiert, sollte die eigene Verträglichkeit im Blick behalten – ein kräftiger Geschmack ist schließlich nicht dasselbe wie ein verlässlich bestimmter Koffeinwert.
Auch die Kosten lassen sich aus dieser Perspektive betrachten. Wenn ich einen Kaffee als bewussten Morgenmoment genieße und nicht ständig nachschenke, relativiert sich für mich der Preis. Das ist allerdings eine individuelle Rechnung: Sie hängt davon ab, wie viel Kaffee man verwendet, wie viele Tassen man trinkt und welchen Preis man für die Packung tatsächlich bezahlt.
Kräftiger Kaffee mit zwei klaren Favoriten
CELETINO überzeugt mich vor allem dort, wo die aromatisierte Note und der Kaffee selbst miteinander arbeiten. Die nussig-schokoladige Grundlage gibt den Sorten Charakter. Die Schoko-Variante bringt für mich eine dunkle, herbe Tiefe mit, während die Winter Edition durch ihre feine, sich erst beim Trinken entwickelnde Zimtnote punktet. Die Keks-Variante entspricht dagegen schlicht nicht meinem persönlichen Geschmack.
Aus fachlicher Sicht bleibt zugleich eine offene Frage: Für eine tiefer gehende Beurteilung wären präzisere Angaben zur Röstung, zur Aufbereitung der Rohbohnen und zur konkreten Zusammensetzung der aromatisierten Varianten hilfreich. Die Herkunft Indonesien und das Verhältnis von 70 Prozent Robusta zu 30 Prozent Arabica liefern einen Anfang, ersetzen aber kein vollständiges Rohkaffee- und Röstprofil.
Mein persönliches Urteil fällt dennoch klar aus: Die Schoko-Variante und die Winter Edition würde ich wieder trinken. Der Kaffee hat Kraft, aber nicht nur Kraft. Er bringt eine nussige Basis mit, auf der die Schokoladen- und Gewürznoten ihre Wirkung entfalten können. Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt: Ein guter aromatisierter Kaffee sollte nicht bloß nach etwas anderem riechen. Er sollte als Kaffee überzeugen – und das Aroma sollte einen Grund haben, in der Tasse zu sein.
CELETINO ist für mich deshalb weniger ein Kaffee für nebenbei als einer für den Morgen, an dem man einen deutlichen Anfang gebrauchen kann. Weicheier müssen ihn nicht meiden. Sie sollten nur wissen, dass hier nicht unbedingt geflüstert wird.